2012 | FELSENKELLER
"WENN TECHNIK IN STEIN GEMEIßELT WIRD"
HELMHOLTZ-ZENTRUM DRESDEN-ROSSENDORF E.V.
Dieses Projekt führte uns tief unter die Erde in einen alten Stollen. Schon früh war klar: hier gelten andere Regeln. Zuständig war nicht die klassische Bauaufsicht, sondern das Bergamt. Dort hatte man mit Laboreinbauten dieser Art bislang kaum Berührungspunkte. Ein prägender Moment war eine Abstimmung, in der weniger über Architektur als über Verfahren gesprochen wurde – und darüber, wie Genehmigungsprozesse normalerweise im Hochbau organisiert sind. Plötzlich erklärte die Planung dem Bergamt, wie Bauanträge strukturiert werden, während von uns Architekten neue Begriffe aus dem Bergbau gelernt wurden. „Seige“ etwa, die vertiefte Rinne zur Ableitung des Grubenwassers, wanderte ganz selbstverständlich in den eigenen Wortschatz. Die Bauleitung unter Tage hatte ihren eigenen Rhythmus: jede Einfahrt in den Stollen war ein kleiner Perspektivwechsel, mit Helm, Feuchte, Felskontakt. Technik wurde hier tatsächlich in Stein „gemeißelt“, präzise eingepasst in eine Umgebung, die keine rechten Winkel kennt. Die besondere Herausforderung lag darin, moderne Laboranforderungen mit den räumlichen und rechtlichen Bedingungen des Bergbaus zu verbinden. Am Ende stand nicht nur ein präzise eingepasstes Funktionselement, sondern ein erweitertes Verständnis dafür, wie flexibel Architektur reagieren muss, wenn der Baugrund selbst Geschichte und Baugesetz zugleich ist.
Jürgen Sauter | Foto David Brandt
