2023 | KATHREINER-HOCHHAUS

"NIE GEBAUT, ABER VIEL GELERNT"

BIM | BERLINER IMMOBILIENMANAGEMENT GMBH

Das Projekt, das nie gebaut wurde und trotzdem ständig zitiert wird. Das Kathreiner-Hochhaus kennt in Berlin fast jeder – saniert wird es trotzdem nicht. Was nach über sechs Jahren Planung bleibt, ist ein Projekt, das in unserem Büro immer wieder zitiert werden wird: Ein Beispiel dafür, was ein langwieriger Planungsprozess alles lehren kann: wechselnde Raumprogramme, eine Vielzahl an Nutzerwünschen mit teils gegensätzlichen Anforderungen, hochkarätiger Denkmalschutz, eine konzeptionelle Neuerfindung des Entwurfs im Ideenaustausch mit dem Landesdenkmalrat, monatlichen Presseanfragen und ein Gebäude, das jahrelang leer stand – und das alles beim tatsächlich ersten historischen Hochhaus Berlins. Es war kein einfacher Prozess. Aber ein lehrreicher. Irgendwann rückte Bruno Paul stärker in den Fokus unserer Arbeit – der Architekt, der das Haus 1929 entworfen hat. Aus Sachsen, nach Berlin gekommen, geprägt vom Deutschen Werkbund: ein Materialverständnis, das bis heute beeindruckt. Dass er Architekten wie Gropius und Mies van der Rohe beeinflusst hat, überrascht beim näheren Hinsehen nicht. Die Beschäftigung mit seinem Werk hat zur Frage geführt, was dieser Ort und dieses Haus eigentlich sein möchte. Die Zukunft des Kathreiner-Hochhauses bleibt ungewiss. Aber als Anspruch an Präzision und Sorgfalt im Detail ist es für uns geblieben – und wirkt nach.

Joerg Schmidt | Foto Archivfoto aus der Bauzeit 1930