2018 | GÄSTEHAUS AM SANDWERDER
"DIE BAUSTELLE, DIE KEINER JE VERGESSEN WIRD"
DEUTSCHE BUNDESBANK BERLIN
Inmitten der Villenkolonie am Wannsee entstand für die Deutsche Bundesbank ein neues Seminargebäude – am Standort der einst gesprengten Atriumvilla, eingebettet in einen Park unter Gartendenkmalschutz. Zwei Drittel des Raumprogramms wurden ins Erdreich gelegt, um alte Bäume, historische Sichtachsen und die Topografie zu bewahren. Mit jeder Planungsphase ergänzten sich die Vermesserunterlagen; überlieferte Achsen und Gartendetails bildeten den Rahmen für behutsame Eingriffe. Eindrucksvoll war die Umsetzung des barrierefreien Zugangs zur Wannseeterrasse: Für einen rund elf Meter tiefen Aufzug wurde die Bestandsvilla unterfangen, hinzu kam ein 21 Meter langer Stollen – konstruktiv näher am Bergbau als an einer Villa am See. Bauen an der Hangkante hieß hier, zwischen Höhenunterschied und Uferlinie zu vermitteln. Als die hohen Neupflanzungen an einem einzigen Tag gesetzt wurden, kippte die Wahrnehmung: Bootshaus, Seminar- und Gästehaus fanden selbstverständlich zueinander. Eine Architektur, die sich zurücknimmt und der Landschaft den Vortritt lässt, prägt den Entwurf. Bis zuletzt blieb die Baustelle ein Ort gespannter Aufmerksamkeit, begleitet von der Frage, ob am Ende alles so zusammenfinden würde wie gedacht – vielleicht genau deshalb eine Baustelle, die keiner je vergessen wird.
Jörg Rauchfuß | Foto Simon Menges
