2013 | NEUES RATHAUS DRESDEN

"VOR GERICHT MIT ZUVERSICHT"

LANDESHAUPTSTADT DRESDEN

2013 begann mit dem Projekt „Neues Rathaus Dresden“ ein besonderer Abschnitt. Nach einem erfolgreichen VOF-Verfahren – heute würde man VgV sagen – erhielt das Büro den Zuschlag für eine anspruchsvolle Planungsaufgabe im historischen Bestand. Die Vorbereitung war gründlich: Planung, Kostenberechnung und Konzept waren präzise ausgearbeitet. Ohne die Erfahrungen aus früheren Projekten wäre dieser Schritt kaum möglich gewesen. Die Motivation war entsprechend groß, sich intensiv mit der Architektur des Bestandsgebäudes auseinanderzusetzen. Während im Planungsteam noch an Details gearbeitet wurde, begannen im Dresdner Stadtrat Diskussionen über Kosten und Budgets. Plötzlich ging es nicht mehr nur um Architektur und Planung, sondern auch um politische Dynamiken, mit denen im Büro bis dahin kaum jemand Erfahrung hatte. Die ausgegebene Strategie „einfach mal anfangen“ geriet ins Wanken, als die finanziellen Realitäten öffentlich verhandelt wurden. In der politischen Zuspitzung wurden schließlich auch die Architekten zum Sündenbock. Für das Büro war das eine einschneidende Erfahrung – und gleichzeitig eine lehrreiche. Es wurde deutlich, dass große öffentliche Projekte nicht nur planerische Präzision verlangen, sondern auch ein Verständnis für politische Prozesse und deren Turbulenzen. Der Verlust des Projekts schmerzte, markierte aber auch einen Wendepunkt: Eine Tür ging zu, eine andere öffnete sich.

Joerg Schmidt | Foto Projektarchiv JSP ARCHITEKTEN