2004 | SACHSEN-VERBINDUNGSBÜRO BRÜSSEL

"DAS ERSTE GROßE DING"

FREISTAAT SACHSEN

2004 machten wir uns mit erstaunlich wenig Budget und noch weniger Französisch auf den Weg nach Brüssel. Das Verbindungsbüro des Freistaates Sachsen bei der EU sollte entstehen – ein kleiner Schritt Richtung Europa, für uns als junges Architekturbüro ein ziemlich großer in Richtung Selbstständigkeit. Die Realität: Woche für Woche 1.800 Kilometer im Auto – hin zur Baustelle und wieder zurück. Mitunter wurde sogar zwischen Materialstapeln und Werkzeugen direkt vor Ort übernachtet.Wir arbeiteten mit Firmen aus Sachsen, das war gesetzt. Nah und fern lagen dicht beieinander: morgens Abstimmung mit Handwerkern aus der Heimat, abends hervorragende Pommes und ein Glas Wein um die Ecke. Nach spätem Feierabend saßen wir mit den Auftraggebern noch zusammen, redeten über Kosten und Termine – und irgendwann landeten wir zuverlässig beim Dauerbrenner: Wohin gehört eigentlich die Umsatzsteuer? Deutschland? Belgien? Beide? Diese Frage begleitete uns über Jahre hartnäckiger als manch kniffliges Detail. Ein besonderer Moment war keiner mit großem Paukenschlag. Eher dieses erste Durchatmen, als klar wurde: Es funktioniert! Das Büro stand, die Wege nach Brüssel kannten wir im Schlaf – und unser Blick auf die Arbeit hatte sich still erweitert.

Joerg Schmidt | Foto JSP ARCHITEKTEN